Übersicht
Über diese Erkrankung
Die induzierte wahnhafte Störung (IWS), auch bekannt als gemeinsame psychotische Störung oder “folie-à-deux”, ist eine psychiatrische Erkrankung, die durch die Übertragung wahnhafter Überzeugungen von einer Person, die als “Auslöser” bezeichnet wird, auf eine oder mehrere andere Personen, die als “Empfänger” bezeichnet werden, gekennzeichnet ist. Die IWS gehört zu den psychotischen Störungen und weist Ähnlichkeiten mit wahnhaften Störungen auf, unterscheidet sich jedoch aufgrund der zwischenmenschlichen Dynamik von ihnen. IWS ist in der Allgemeinbevölkerung relativ selten. Am häufigsten tritt sie in engen Beziehungen auf, z. B. in Familien oder intimen Partnerschaften. Die Geschichte dieser Störung reicht Jahrhunderte zurück, wobei in verschiedenen Kulturen Fälle von gemeinsamen Wahnvorstellungen dokumentiert sind. Die formale Anerkennung der IWS in der psychiatrischen Fachgemeinde lässt sich auf das späte 19. bzw. das frühe 20. Jahrhundert zurückdatieren. IWS ist in erster Linie durch das Vorhandensein gemeinsamer Wahnvorstellungen gekennzeichnet, bei denen die sekundäre(n) Person(en) die falschen Überzeugungen des Verursachers übernehmen. Diese Wahnvorstellungen können weitreichend, bizarr oder verfolgend sein. Die sekundären Personen haben möglicherweise keine Vorgeschichte von psychischen Erkrankungen, was die gemeinsamen Überzeugungen noch verwirrender macht. Zu Komplikationen kann es kommen, wenn die gemeinsamen Wahnvorstellungen zu Funktionsstörungen, sozialer Isolation oder anderen nachteiligen Folgen führen. Die Diagnose von IWS erfordert eine umfassende psychiatrische Beurteilung, einschließlich einer Untersuchung der Beziehungsdynamik zwischen dem Verursacher und dem Empfänger. Die psychische Vorgeschichte, die Verhaltensweisen und die Symptome beider Personen werden sorgfältig untersucht. Bei der Behandlung geht es in erster Linie um die zugrundeliegende Psychopathologie des Verursachers, da diese häufig die Ursache für die gemeinsamen Wahnvorstellungen ist. Die genauen Ursachen von IWS sind noch nicht vollständig geklärt, man geht jedoch davon aus, dass sie vielschichtig sind. Sie sind häufig auf den psychologischen Einfluss des Verursachers auf den Empfänger zurückzuführen, wobei Faktoren wie emotionale Abhängigkeit, gemeinsame Isolation oder Manipulation zu der Störung beitragen. In einigen Fällen kann auch eine genetische Veranlagung eine Rolle spielen. Zur Vorbeugung von IWS müssen in erster Linie die zugrunde liegenden psychologischen Probleme des Verursachers erkannt und angegangen werden. Die Förderung einer gesunden Kommunikation, emotionaler Grenzen und des Bewusstseins für wahnhaftes Denken kann dazu beitragen, das Risiko gemeinsamer Wahnvorstellungen in zwischenmenschlichen Beziehungen zu vermindern. Rechtzeitiges Eingreifen und psychologische Unterstützung können eine Eskalation der Störung verhindern.
