Übersicht
Über diese Erkrankung
Das Locked-in-Syndrom ist eine seltene neurologische Erkrankung, die durch eine vollständige Lähmung aller willkürlichen Muskeln des Körpers gekennzeichnet ist, mit Ausnahme derjenigen, die die vertikalen Augenbewegungen und das Blinzeln steuern. Menschen mit diesem Syndrom sind bei Bewusstsein und kognitiv intakt, aber unfähig, sich zu bewegen oder zu sprechen, was zu einem Zustand fast vollständiger Bewegungsunfähigkeit bei erhaltenem Bewusstsein führt. Die Kommunikation beschränkt sich in der Regel auf Augenbewegungen, und die Erkrankung kann je nach zugrunde liegender Ursache entweder vorübergehend oder dauerhaft sein. Das Locked-in-Syndrom ist selten, wobei die genaue Prävalenz aufgrund von Untererfassung und Fehldiagnosen schwer zu bestimmen ist. Es wurde erstmals Mitte des 20. Jahrhunderts in der medizinischen Literatur beschrieben und wird seitdem vor allem mit einer Schädigung der ventralen Pons in Verbindung gebracht, die häufig durch einen Schlaganfall verursacht wird. Fortschritte in der Neurobildgebung und der Intensivmedizin haben in den letzten Jahrzehnten zu einer besseren Erkennung und Behandlung geführt. Zu den Komplikationen zählen Atemprobleme, Muskelschwund, Gelenkversteifungen, Druckgeschwüre und ein erhöhtes Risiko für Infektionen wie Lungenentzündung. Aufgrund der starken Einschränkungen der Kommunikation und Mobilität treten häufig auch psychische Komplikationen wie Depressionen, Angstzustände und soziale Isolation auf. Die Diagnose stützt sich auf eine klinische Untersuchung, bildgebende Verfahren (in der Regel MRT) und die Bestätigung des erhaltenen Bewusstseins. EEG und evozierte Potenziale können helfen, das Locked-in-Syndrom von Bewusstseinsstörungen zu unterscheiden. Es gibt keine heilende Behandlung, aber unterstützende Pflege, assistive Kommunikationstechnologien und Rehabilitation können die Lebensqualität erheblich verbessern. Häufige Ursachen sind Hirnstammschlag, traumatische Hirnverletzungen, Tumore, zentrale Pontine Myelinolyse und neurodegenerative Erkrankungen. Zu den Risikofaktoren zählen Gefäßerkrankungen, chronischer Alkoholkonsum und schwere Elektrolytstörungen. Die Prävention konzentriert sich auf die Kontrolle vaskulärer Risikofaktoren, die Sicherstellung eines angemessenen Elektrolythaushalts, die Verringerung des Traumarisikos und die rechtzeitige medizinische Intervention bei akuten neurologischen Ereignissen, um Hirnstammschäden zu verhindern.
