Übersicht
Über diese Erkrankung
Phantomschmerzen sind eine Form neuropathischer Schmerzen, die in einem amputierten Gliedmaß oder Körperteil auftreten. Patienten berichten von Empfindungen wie Brennen, Stechen, Pochen oder ziehenden Schmerzen an der Stelle, an der sich zuvor das fehlende Körperteil befand. Sie unterscheiden sich von Stumpfschmerzen, die an der Amputationsstelle auftreten. Phantomschmerzen können in ihrer Intensität, Dauer und Häufigkeit variieren. Einige Betroffene erleben auch schmerzfreie Phantomempfindungen wie Kribbeln oder Bewegungen. Phantomschmerzen betreffen etwa 50 bis 80 % der Amputierten, wobei die Prävalenz bei traumatischen Amputationen höher ist als bei chirurgischen. Das Phänomen ist seit dem 16. Jahrhundert dokumentiert, wobei der Begriff „Phantomglied“ im 19. Jahrhundert durch den Neurologen Silas Weir Mitchell populär wurde. Trotz der langjährigen Bekanntheit sind die genauen Mechanismen nur teilweise verstanden. Zu den Komplikationen zählen chronische Schmerzen, psychische Belastungen, Beeinträchtigungen bei der Verwendung von Prothesen, Schlafstörungen und eine verminderte Lebensqualität. Bei einigen Patienten kann die Erkrankung auch zu Angstzuständen, Depressionen und posttraumatischen Belastungsstörungen beitragen. Die Diagnose ist klinisch und basiert auf der Anamnese und der Beschreibung der Symptome, da es keinen spezifischen Test zur Bestätigung von Phantomschmerzen gibt. Die Unterscheidung von Stumpfschmerzen, Infektionen oder Neuromen ist unerlässlich. Die Behandlung ist multimodal und umfasst Medikamente (z. B. Antidepressiva, Antikonvulsiva), Physiotherapie, Spiegeltherapie und in einigen Fällen interventionelle Verfahren oder Neuromodulationstechniken. Phantomschmerzen entstehen vermutlich durch Veränderungen im peripheren und zentralen Nervensystem nach dem Verlust eines Gliedmaßes. Zu den Risikofaktoren zählen traumatische Amputationen, Schmerzen vor der Amputation, schlechte Wundheilung und psychischer Stress. Präventionsstrategien sind begrenzt, können jedoch eine wirksame Schmerzbekämpfung vor und nach der Amputation, eine frühzeitige Rehabilitation und eine präoperative Beratung umfassen.
Symptomatik
