Übersicht
Über diese Erkrankung
Diabetes mellitus Typ 1 ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) zerstört. Da diese Zellen für die Produktion von Insulin zuständig sind – einem lebenswichtigen Hormon, das Glukose aus dem Blut in die Körperzellen schleust – führt ihr Verlust zu einem absoluten Insulinmangel. Ohne Insulin kann der Körper Zucker nicht als Energiequelle nutzen, was zu einem gefährlichen Anstieg des Blutzuckerspiegels (Hyperglykämie) führt. Die Erkrankung ist nicht heilbar, aber mit moderner Therapie gut behandelbar. Die Pathophysiologie beginnt oft Jahre vor dem klinischen Ausbruch: Autoantikörper gegen Inselzellproteine wie Glutamatdecarboxylase (GAD), Insulinautoantikörper (IAA) oder Tyrosinphosphatase (IA-2) sind nachweisbar, während die Betazellmasse langsam abnimmt. Wenn etwa 80–90 % der Betazellen zerstört sind, treten die klassischen Symptome auf. Der Körper versucht, den Energiemangel durch den Abbau von Fett und Muskelgewebe zu kompensieren, was zur Bildung von Ketonkörpern führen kann – im schlimmsten Fall zu einer lebensbedrohlichen diabetischen Ketoazidose (DKA). Diabetes mellitus Typ 1 betrifft in Deutschland schätzungsweise 300.000 bis 400.000 Menschen. Weltweit sind rund 8–9 Millionen Menschen betroffen, wobei die Inzidenz in vielen Ländern, besonders in Nordeuropa und Nordamerika, in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist. Die Erkrankung kann in jedem Lebensalter auftreten, manifestiert sich jedoch am häufigsten im Kindes- und Jugendalter sowie bei jungen Erwachsenen. Ein zweiter Häufigkeitsgipfel zeigt sich im Erwachsenenalter zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr (sogenannter LADA – Latent Autoimmune Diabetes in Adults). Klinisch bedeutsam ist Typ-1-Diabetes vor allem wegen seiner lebenslangen Therapiebedürftigkeit und des Risikos für schwerwiegende Komplikationen. Akute Komplikationen umfassen die diabetische Ketoazidose und schwere Hypoglykämien. Langfristig können erhöhte Blutzuckerwerte Blutgefäße und Nerven schädigen und zu Folgeerkrankungen wie diabetischer Retinopathie (Augenschäden), Nephropathie (Nierenschäden), Neuropathie (Nervenschäden) sowie einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall führen. Eine konsequente Blutzuckereinstellung kann das Risiko dieser Komplikationen erheblich reduzieren. Trotz der Herausforderungen, die die Erkrankung mit sich bringt, ermöglichen moderne Therapiekonzepte – darunter kontinuierliche Glukosemessung, Insulinpumpen und zunehmend automatisierte Closed-Loop-Systeme – vielen Betroffenen ein weitgehend normales Leben. Die Forschung schreitet voran: Immuntherapien zur Verlangsamung des Betazellverlusts sowie Ansätze zur Betazellregeneration und Transplantation werden intensiv untersucht. Das Verständnis der Erkrankung und ein aktives Selbstmanagement sind dabei entscheidende Faktoren für eine gute Lebensqualität und Prognose.
